Weltreiterspiele in Aachen 2006
Lautsprechersysteme von L-Acoustics, Endstufen von Crown, ein Symnet System und ein DiGiCo D5 sorgten in zwei der drei Stadien für die Beschallung, verantwortlich für die Audiotechnik war die Firma Eventronic.
Rund 500 000 Besucher wurden zur Weltmeisterschaft vom 20. August bis 3. September auf dem Turniergelände in der Aachen Soers erwartet, über 400 000 Karten waren bereits eine Woche vor Beginn der Weltreiterspiele verkauft. In sieben WM-Disziplinen (Distanzreiten, Dressur, Vielseitigkeitsreiten, Voltigieren, Springen, Fahren, Reining, das ist eine Dressur im Western-Reitstil) traten 800 Sportler aus 50 Nationen an. Der Standort ist als Austragungsort internationaler Reitsportwettkämpfe bekannt. Auf dem Gelände findet alljährlich der CHIO (Concours Hippique International Officiel) statt.
Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft beinhalteten umfangreiche Umbau- und Neubaumaßnahmen. Die Kapazität des großen Reitstadions wurde auf 60 000 Besucher erweitert, neue Tribünenbereiche, ein Pressezentrum und eine Flutlichtanlage wurden u.a. gebaut, um auch Wettkämpfe in den Abendstunden durchführen zu können. Den neuen Gegebenheiten wurde das Konzept der Beschallungsanlage angepasst, die auf der Haupt- und Pressetribüne zum Teil aus dem L-Acoustics Line-Array-System dV-DOSC bestand. Die Aufgaben der Lautsprecher beschränkten sich nicht auf die turniertypischen Durchsagen. Einspielungen zu den Reitvorführungen in den Pausen und bei der Eröffnungsfeier gehörten auch dazu, in einer dem distinguierten Ambiente und den hohen Gästen entsprechend hohen Qualität bei Sprache und Musik.
Eröffnet wurden die Spiele von der FEI-Präsidentin Prinzessin Haya von Jordanien, ein buntes Programm mit 1000 Reiter, Tänzer und Jugendliche sowie um die 350 Pferden und Ponys, u.a. einer große Quadrille mit 64 Hengsten aus mehreren Landgestüten, stimmten die ca. 40 000 Zuschauern im Stadion und international weit mehr vor den Fernsehbildschirmen auf die WM ein.
Zu den Aufführungen bei Turnieren gehören auch Blasskapellen, die über den 120 x 150 m großen Turnierplatz marschieren. Dabei zeigte sich in den vergangenen Jahre, dass durch die sich bewegende Quelle ein unstimmiger Richtungseindruck entsteht, wenn die Zuschauer den Direktschall der Kappelle und zusätzlich aus den Lautsprechern oberhalb ihrer Köpfe hören. Dazu kommt, das der visuelle Eindruck ein ganz andere ist als das Hörempfinden. Für einen passenden Gesamteindruck entwickelte Eventronic aus Simmerath bei Aachen eine Software, die die Delay-Zeiten der einzelnen Lautsprecher auf den Tribünen in Abhängigkeit von der Position kontinuierlich so anpasst, dass auditiver und visueller Richtungseindruck übereinstimmen. Die PC-Software hat zur Zeit den Arbeitsnamen DelayJay und steuert per RS232 die Delay-Zeiten der Audiomatrix SymNet von Symetrix, die auch zur Signalbearbeitung eingesetzt wurden.
Eventronic betreut die Audiotechnik beim CHIO im großen Stadion schon seit 2000. Bei den Welteiterspielen waren man auch für die Beschallung des Fahrstadions und einiger Außenbereiche zuständig. Dabei gibt es auf dem Turniergelände, das vom Aachen-Laurensberger Rennvereins e.V. und der Aachener Reitturnier GmbH betrieben wird, eine Besonderheit. Zwei Stadien, das Hauptstadion und ein Dressurstadion mit ca. 5000 Plätzen, die Regien, Presse- und Büroräume sind feststehende Bauwerke, die i.d.R. nur einmal im Jahr für den CHIO genutzt werden. Eine Ausnahme ist die diesjährige WM, für die mittels mobiler überdachter Tribünen zusätzlich noch dasFahrstadion mit ca. 5000 Plätzen geschaffen wurde. Ebenfalls temporär aufgebaut werden die Gastronomie- und Verkaufsbereiche, die in einer imposanten Zeltstadt ganz in weiß untergebracht sind. Für die Audiotechnik bedeutet das, dass zwar die Verkabelung fest in den Gebäuden verlegt ist, die Gerätschaften inklusive aller Lautsprecher aber für jede Veranstaltung eingebracht werden.
Am 29.08. luden Jürgen Johnen (Geschäftsleitung Eventronic) und Udo Stoof als Vertreter von Seiten der TRIUS GmbH & Co. KG, der Vertrieb von L-Acoustics und Symetrix in Deutschland ein, um die Audiotechnik, das Beschallungskonzept, die Steuerungen. und Überwachungen, das Glasfasernetzwerk, etc. vorzustellen.
Hauptstadion
Vier Tribünen umgeben den 120 x150 m großen Reitplatz. Die größte im Jahre 2005 neu gebaute Reitertribüne, die auch die Presseplätze enthält, wurde mit zwei Line-Arrays aus jeweils 11 dV-DOSC Systemen beschallt. Unterstützend im hinteren Bereich der Tribüne arbeiteten noch zwölf EAW JF80 und für den Vorplatz und die untersten Reihen fünf XT115. Zwischen den dV-DOSC-Linien war ein Zentral-Cluster mit weiteren 10 dV-DOSC platziert, das den Reitplatz selber versorgte und der Bezugspunkt für die Delay-Zeiten der anderen Lautsprecher bei Durchsagen vom Reitplatz aus während der Wettkämpfe war. Die Nordtribüne hatte an der Vorderkante sieben Cluster aus je zwei L-Acoustics 115XT, ein aktiver 2-Wege-Lautsprecher mit einem 1,4“ HF und einem 15“-LF-Treiber. Die unteren 115XT versorgten den Stehplatzbereich vor der Tribüne, die obere den vorderen Teil der Tribüne. Für den hinteren Teil waren zusätzlich 12 L-Acoustics MTD108 (passiv, 1“HF/8“LF) im Dach eingebracht. Die gegenüberliegende Südtribüne wurde mit sieben Eventronic 1202 Lautsprechern (12“+2“ Eigenentwicklung) an der Dachvorderkante für den unteren Bereich der Sitzplätze und weiteren sieben 1202 unterhalb der Dachmitte für die weiter oben gelegenen Plätze beschallt.
Das Dach der halbrunde Westribüne hatte an der Vorderkante 11 EV[MSOffice1] SX300 für den überdachten Tribünenbereich und jeweils an den Außenkanten Lautsprecher für den Tribünenteil ohne Dach. Von den Außenkanten der Süd- und Nordtribüne wurde der restliche Teil der offenen Sitzplätze mit vier weiteren Lautsprechern (1x EAW JF650[MSOffice2] und 3x Eventronic 1202) versorgt. Zusätzlich kamen zwölf 115XT als Monitore für das Dressurreiten im Hauptstadion um das Dressurviereck zum Einsatz, das extra für die Weltreiterspiele in der Mitte des Reitplatzes angelegt wurde, um einer größeren Zuschauerzahl das Mitverfolgen der Wettkämpfe zu ermöglichen. Außerdem gab es zur Beschallung der Außenbereiche hinter den Tribünen u.a. zwölf fest installierte Trichterlautsprecher vom Typ WHD TL230.
An einem der Flutlichtmasten war ein großes Lautsprecher-Cluster für die Beschallung des Vorplatzes mit vier Horn geladenen 3-Wege Systemen, ebenfalls Eigenentwicklung von Eventronic, angebracht. Jede Tribüne hatte eine eigene Verstärkerzentrale, die zum Großteil mit Endstufen aus der I-Tech-Serie (I-T6000) von Crown bestückt waren. Ein Grund für die Wahl der Verstärker waren die Funktionen zur Fernüberwachung. Auch wenn die Normen für elektroakustische Notfallwarnsysteme im Reitstadion nicht bis zum i-Tüpfelchen umgesetzt werden mussten, u.a. weil Polizei und Feuerwehr während der Veranstaltung ständig vor Ort waren, die Technik durchgehend betreut und die Beschallungsanlage vor der Veranstaltung auch messtechnisch getestet wurde, galt es in den Grundzügen die Vorschriften zu erfüllen. Die normalerweise für die dV-DOSC Systeme eingesetzten Endstufen sind jedoch nicht mit den notwendigen Überwachungsmechanismen ausgestattete. Die Endstufen der I-Tech-Serie können dagegen per Ethernet in ein Fernsteuerungs- und Überwachungsnetzwerk eingebunden werden und verfügen zudem über ein integriertes DSP-System, das die Controller Funktionen für die Lautsprecher übernimmt.
Ihre Signale bekamen die Verstärker entweder über ein Optocore-Netzwerk oder von modifizierten ULTRAGAIN PRO-8 DIGITAL ADA8000 von Behringer. Mittels eines Glasfaser-Interface-Moduls von Eventronic wurden die per Single- oder Multimode-Glasfaser ankommenden Signale auf Basis des ADAT-Formats den ULTRAGAIN zugeführt und von dort an die Verstärker weiterverteilt. Über Ihre Signale bekamen die Verstärker entweder über ein Optocore-Netzwerk oder von modifizierten ULTRAGAIN PRO-8 DIGITAL ADA8000 von Behringer. Mittels eines Glasfaser-Interface-Moduls von Eventronic wurden die per Single- oder Multimode-Glasfaser ankommenden Signale auf Basis des ADAT-Formats den ULTRAGAIN zugeführt und von dort an die Verstärker weiterverteilt. Über die Glasfaserverbindungen wurden auch die Steuerdaten der Verstärker weitergeleitet. Die Glasfaserstrecken waren für die notwendige Redundanz doppelt geführt.
Jede Unterzentrale verfügte über eine USV, die die Gerätschaften, abgesehen von den Verstärkern, unterbrechungsfrei mit Strom versorgten. Die Verstärker konnten bei Ausfall der Netzstromversorgung durch Dieselgeneratoren gespeist werden. Die Zeit von ca. 1 min, bis die Dieselgeneratoren die Stromversorgung übernehmen, ist eine Abweichung von der Norm für elektroakustische Notfallwarnsysteme, die im Vorfeld per Sondergenehmigung mit den Behörden abgestimmt wurde.
Fahrstadion
Das Fahrstadion wurde mit insgesamt 40 L-Acoustics MTD 108 an der Vorderkante der Tribünendächer beschallt. Als Verstärker kamen zehn CAMCO-Vortex, ebenfalls fernüberwacht, zum Einsatz. Das Stadion hatte eine eigenen Regie mit kleinem Mischpult, einer Abhöre mit Genelec 1030, einer Drahtlosanlage, Sennheiser EM3532 mit SKM5000 und einem Denon DN-C680 CD-Player. Per Glasfaser war die Regie an die Regie des Hauptstadions angebunden, so dass Signale wechselseitig ausgetauscht werden konnten.
Regie
In der Regie liefen alle Fäden zusammen, d.h. die Glasfaserverbindungen zu den Verstärkerzentralen lagen hier an, die Optocore-Module und die Glasfaser-Interfaces mit ULTARGAINS PRO-8 zur Wandlung der analogen Signale und Umsetzung auf LWL sowie Controller und Matrix waren hier positioniert, die Bedienoberflächen der Steuerungen und Überwachung waren auf vier Bildschirmen dargestellt und das Mischpult DiGiCo D5 LIVE verwaltete alle ankommenden und ausgehenden Signale. Dieses waren u.a. die Signale vom Stadionsprecher, der neben der Regie zusammen mit den Preisrichtern in einem Raum saß. Der Stadionsprecher nutzte ein Großmembranmikrofon AT4060 (Audio Technica) und bestimmte per kleinem Mischpult und PC die Einspielungen.
Zwei Preisrichter hatten ein EV BK-1 zur Durchsage der Wertungen. Für Kommentare vom Reitplatz kamen drahtlose Systeme zum Einsatz, es gab vier Audio Technica AEW R5200 und zwei Sennheiser EM3532 2-Kanal-Empfänger. Kommentatoren und Akteure auf dem Platz wurden mit drahtlosem In-Ear-Monitoring versorgt, ein Sennheiser SR3256 mit acht Taschenempfängern stand dazu zur Verfügung. Für die Abnahme von Gesprächsrunden oder der besagten Blaskapellen auf dem Platz gab es vier Mikrofonangeln, mit Schoeps CMBI Batterie-Mikrofonverstärker und MK4-Kapseln. Die Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigte, dass mit der Gesamtabnahme mittels vier neben den Kapellen getragenen Mikrofonen gegenüber einer Einzelmikrofonierung aller Instrumente ein wesentlich homogeneres Klangbild zu erzeugen ist. Gerade auch dann, wenn dem ein oder anderen Instrumentalisten mal ein falscher Ton entweicht.
Per MADI war für Mitschnitte an das D5 LIVE ein PC mit Cubase SX angeschlossen. Das Pultsystem diente auch zum Routing der Signale von und zu den Ü-Wagen. U.a. ARD und ZDF berichteten live von einer ganzen Reihe der Wettkämpfe.
Ausgangsseitig ging es vom D5 LIVE analog zu den sechs SymNet 8x8, die untereinander über ihre SymLink-Schnittstellen verbunden waren und neben der Steuerung der Delay-Zeiten auch noch diverse Filterfunktionen übernahmen. An den SymNets lag auch das Signal von einem Mikrofon für Notfalldurchsagen der Feuerwehr an, das mit Priorität an die Beschallungsanlage weitergeleitet wurde. Für die Systemkontrolle der dV-DOSC Line-Arrays wurden drei digitale Lake Contour Lautsprecherprozessoren genutzt.
Delay-Jay
Eine Besonderheit für die Beschallung des Springstadions stellt, wie bereits kurz erwähnt, die Übertragung einer am Rande des Springplatzes marschierenden Blaskapelle da. Aufgrund der Größe des Stadions bedarf die Kapelle der Unterstützung durch die Beschallungsanlage, so dass sie auf allen Tribünen gut wahrgenommen werden kann. Daraus entsteht die Problematik, dass das Publikum je nach Entfernung die von Natur aus auch schon recht laute Kapelle zum einen direkt hört und über die Lautsprecher. Würde die gesamte Lautsprecheranordnung im Stadion jetzt mit einer festen Delay-Einstellung (Nullzeit auf allen Wegen) betrieben, dann würden die gerade weiter entfernten Zuschauer die Kapelle zuerst aus den ihnen nahe liegenden Lautsprechern und dann deutlich verzögert noch als Direktschall der Kapelle hören. Abhilfe würde man typischer Weise mit einer auf die Position der Kapelle bezogenen Delay-Struktur schaffen, was bei einer festen Position der Kapelle auch gut funktionieren würde. Speziell in diesem Fall ist die Kapelle jedoch ständig großräumige in Bewegung. Jürgen Johnen von Eventronic programmierte sich daher auf dem SymNet System eine flexible Delay-Struktur, die sich für alle Wege der Kapelle so anpasst, dass die Nullzeit immer beim am nächsten zur Kapelle liegenden Lautsprecher liegt und alle anderen Lautsprecher dazu passend zu dieser Position verzögert werden.
Insgesamt wird das Signal über die Beschallungsanlage mit einem kleinen Offset zusätzlich so verzögert, dass der Direktschall der Kapelle immer ein wenig früher (10.20 ms) ankommt, so dass ein Richtungseindruck auf die Kapelle entsteht. Das System bewährte sich bereits in der Vergangenheit bei den alljährlichen CHIO Veranstaltungen und wurde zu Beginn von der Regie aus nach Sichtkontakt gesteuert. D.h., ein Techniker behielt die Kappelle ständig im Auge und führte Ihre Position mit der Maus auf einem Bildschirm über einer Grundrisszeichnung des Stadions nach. Die Steuersoftware berechnete daraus die passenden Delayzeiten und stellte diese beim SymNet ein. In einer zweite Ausbaustufe wurde das System mit einem GPS Empfänger erweitert, der von der Kapelle mitgeführt wurde und seine Daten per Funk an den Rechner in der Regie übermittelte. Die ständige Beobachtung der Kapelle wurde damit hinfällig und die Anlage stellte sich automatisch auf die aktuelle Position der Kapelle ein, einmal vorausgesetzt diese verlässt nicht versehentlich das Stadion.
Einmessungen
Als Generalprobe für die Reiter-WM galt das in diesem Jahr auf den Frühsommer vorverlegte CHIO Turnier. Mit kleinen Ausnahmen, die Peripherie betreffend, war die Beschallungsanlage für das CHIO bereits in dem Zustand, der auch für die WM geplant wurde. Vor Veranstaltungsbeginn im Mai bestand daher die Gelegenheit in zeitlich entspannter Atmosphäre alle Einstellungen zu optimieren und die Anlage ausführlich zu testen. In einem ersten Arbeitsschritt wurden dazu wegen der bereits erwähnten Problematik der Fernüberwachung zunächst die Controller Settings für die L-Acoustic Lautsprecher auf die DSP-Systeme in den Crown I-Tech Endstufen übertragen. Lediglich die drei großen Line-Arrays für die Platzbeschallung und die Reitertribüne wurden mit den original Einstellungen auf Lake Contour Controllern angesteuert, ohne die Controller-Funktionen der I-Tech Endstufen zu nutzen.
Anschließend wurden alle Teilbereiche des Stadions einzeln gemessen und daraus die EQ- und Pegeleinstellungen abgeleitet. Pro Lautsprecher wurden dazu auf ca. 20 Messpositionen in dessen direkten Einzugsbereich die Frequenzgänge in hoher Auflösung gemessen. Als Messsignale kamen Sweeps mit einer Länge von 6s zum Einsatz. Die Einspeisung erfolgte in der Regie über das Audionetzwerk und die Signalübertragung vom Messmikrophon zurück zum Messrechner per Sendestrecke. Dank dieses komfortablen Messaufbau konnten die fast 1000 Messpunkte binnen zweier Tage abgearbeitet und vollständig ausgewertet werden. Im Anschluss daran wurden noch die Delayzeiten messtechnisch optimiert und ein Pegelabgleiche durchgeführt. Während der Veranstaltungen befanden sich dann ständig Techniker mit Notebooks und W-Lan Anbindung zur Regie im Publikum und konnten so individuell für die jeweilige Tribüne noch ein mögliches Feintuning durchführen.
Als Nachweis für die Funktion der Anlage beauftragte Jürgen Johnen noch eine Komplettmessung zur Sprachverständlichkeit nach VDE 0828. Diese bestand aus 120 gleichmäßig über die Publikumsfläche verteilte Messpositionen beim Betrieb der kompletten Anlage im Notfalldurchsagemodus. Die Messungen erfolgten nach der Schröder-Methode über eine Auswertung der Impulsantworten, die über ein Korrelationsmessverfahren mit Sweepsignalen von 6s Länge erfasst wurden. Das Stadion war zum Zeitpunkt der Messungen leer und es lagen keine signifikanten Störgeräusche vor. Für die weiteren Auswertungen wurde das Publikum mit einem Störpegel von 85 dBA und einer Nachhallzeitverkürzung von 30% berücksichtigt. Beide Annahmen sind sehr vorsichtig gewählt, da es während der Veranstaltungen im großräumigen Springstadion in der Regel sehr ruhig ist und die Ränge dicht besetzt sind. Als Nutzsignalpegel für Notfalldurchsagen wurde ein Wert von 95 dBA angenommen, der über eine Messreihe mit einem speziellen Rauschsignal mit einer spektralen Gewichtung und einem Crestfaktor entsprechend einem Sprachsignal geprüft wurde. Die Auswertung aller Messpunkte ergab eine angemessene bis gute Sprachverständlichkeit auf allen Plätzen mit einem Mittelwert abzüglich der Standardabweichung nach VDE 0828 von deutlich über 0,5. Dabei wurden auch die seit 2004 in der Norm zur Messung von STI-Werten aufgeführten Maskierungeffekte berücksichtigt.
Fazit
Zur Reiter WM 2006 in Aachen wurde das Stadion des ALRV komplett überarbeitet und mit einer aufwändigen temporär installierten Beschallungsanlage versehen. Betraut mit der Aufgabe wurde die in der Nähe von Aachen ansässige Firma Eventronic, die in den vergangenen Jahren auch schon das CHIO Turnier des ALRV ausstattete. Dem vergrößerten Stadion und den gestiegenen Anforderungen angepasst erweiterte Firmeninhaber Jürgen Johnen zu Beginn diesen Jahres seine Gerätschaften um ein DiGiCo D5 Pult, 40 Crown I-Tech 6000 Endstufen, 32 dV-DOSC Systeme, drei Lake-Contour Controller und vieles mehr.
Mit einem aufwändigen Audio-Netzwerk, einer ausgeklügelten Überwachungsstruktur und einer speziell auf die Bedürfnisse des Reitturniers angepasste Delay-Steuerungen entstand so ein Beschallungssystem, das in dieser Komplexität für eine temporäre Installation Seltenheit haben dürfte. Die beim Erscheinen dieses Artikels schon über einen Monat zurückliegenden Reiter WM wurde über die gesamte Dauer von 14 Tagen mit dieser Anlage zur größten Zufriedenheit aller Beteiligten versorgt, was nur dank einer sorgfältigen Planung, der flexiblen Anpassung an die teilweise ungewöhnlichen Probleme und einer gewissenhaften Ausführung, Umsetzung und Bedienung möglich wurde.
Text: Anselm Goertz, Christiane Bangert
Fotos: Christiane Bangert
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